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Mitternachtsgeschichten

Absurdistan

Was haben Orlow, Herr Leberecht, Tom der Öleinfüllstutzen, der Enkel eines geilen Großvaters und der Rote Igel gemeinsam? Ganz einfach: Sie sind gestorben. Na gut, werden jetzt viele sagen, das ist schon ganz anderen widerfahren, letztlich blüht das uns allen. Richtig, aber diese Figuren hatten vorher ein literarisches Leben, überdies ein ziemlich schräges. Und so starben sie auch.

Aus eben diesem Grunde sind sie für die nächste Lesung der Mitternachtsgeschichten des Bremer Amateur Theater Ensemble von Interesse. Ob sie sich nun überfressen haben, von einer Beethoven-Büste erschlagen wurden, von der Altersschwäche dahin gerafft, zu Glücksspiralen verarbeitet, oder in Spiritus eingelegt wurden. Sie alle sind Teil eines großen Ganzen geworden, das man das Absurde nennt.

Im Absurden und Grotesken findet sich alles zusammen, was sonst niemand unterzubringen weiß, alles was trügerisch, unberechenbar, auf- und abfahrend, das Harmonische auseinanderreißend und das Schein und Sein verwechselnde ist. Kurz, der ganz normale Wahnsinn. Denn wenn wir uns mal etwas Zeit nehmen und darin unsere ehrlichen fünf Minuten des Monats nehmen, müssen wir ja zugeben, daß die Grenze zum Grotesken und Absurden schon vor vielen Jahren ein für alle mal überschritten wurde. Dem aufmerksamen Beobachter fällt daher mit Leichtigkeit auf, daß jene Wirklichkeit, die wir Alltag nennen und von der Vernunft verwaltet glaubten, sich längst in die Gefilde des Widersinnigen abgesetzt hat, um nicht an sich selbst irre zu werden. Der freie Platz wurde prompt vom Grotesken und Absurden besetzt, weil das Nichts auf Dauer selbst für einen buddhistischen Mönch zu langweilig ist.

Damit es Ihnen leichter fällt sich in dieser neuen Realität zurechtzufinden, war sich die Literatur-Sektion des BAT Ensemble nicht zu schade wieder einmal aktive Lebenshilfe zu leisten. Nach "Morden leicht gemacht", Erotik für Anfänger", "Mit Achtzig Worten um die Welt" und anderen helfenden Ausflügen in die Weltliteratur, schlingern wir mit Ihnen diesmal also durch die Welt der Wunderlichkeiten, der Übertreibungen sowie der abstrusesten Abwegigkeiten, die unsere Welt erst normal und lebenswert machen. Begleiten Sie uns auf diesen knapp zwei Stunden alltäglichen Wahnsinns. Sie werden es nicht bereuen, oder doch wenigstens nicht mehr so klar denken können wie vorher.

  • Fr. 19.01.2001 22 Uhr Galerie des Westens, Reuterstr. 9-17