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Die Möwe

Komödie in vier Akten von Anton Cechov


Das Stück spielt im zaristischen Rußland der Jahrhundertwende auf dem Land. Die Gäste auf einem Landsitz öden einander in schrecklicher Langeweile an. Sie gehen einander mit kleinen Sticheleien auf die Nerven und machen sich das Leben zur Hölle.

Konstantin Gavrilovic Treplev ist der Sohn einer ehemaligen Schauspielerin und will Schriftsteller werden. Er hat ein kleines Theaterstück geschrieben, "Die Möwe", welches am Abend auf einer improvisierten Bühne den anderen Gästen vorgespielt werden soll. Die Hauptrolle spielt Nina, seine Geliebte und Muse. Treplev leidet jedoch unter der ständigen Nörgelei seiner Mutter, die sein schriftstellerisches Talent und sein ganzes Leben in Frage stellt. Außerdem hat sie einen jugendlichen Freund, Boris Alexeevic Trigorin, der ebenfalls und bereits sehr erfolgreich Schriftsteller ist. Diesen Trigoin führt sie immer wieder an, wenn sie versucht, Treplevs Selbstvertrauen in sich und seine Arbeit zu schwächen. Bei der Aufführung von Treplevs Stück kommt es schließlich zum Eklat, Mutter und Sohn geraten in Streit... Mehr und mehr zeigt sich. daß Nina sich zu Trigorin hingezogen fühlt, zu seinem Charme und seinem Erfolg, der Treplev bisher versagt war. Als Treplevs Mutter und Trigorin abreisen, um zurück nach Moskau zu gehen, verläßt Nina Treplev und schließt sich Trigorin an, um fortan als Schauspielerin an seiner Seite zu sein.

Jahre vergehen und Treplev ist inzwischen ein erfolgreicher aber einsamer Schriftsteller. Unerwartet taucht Nina wieder auf. Sie hat enttäuscht Trigorin verlassen. Erfolg als Schauspielerin hatte sie, aber das Leben in Moskau hat sie sich anders vorgestellt. Sie ist am Versuch, ihre Träume zu verwirklichen gescheitert. Dennoch will sie nicht zu Treplev zurückkehren und verläßt ihn abermals. Treplev, der zwar den ersehnten Erfolg als Schriftsteller erreicht hat, als Mensch aber unfreiwillig an der Realität scheitern mußte, erschießt sich schließlich.

Besetzung

Arkadina Katja (Käthe) Ahrens
Masa Katja Ahrens
Trigorin Frank Baumgart
Polina Andreevna Maike Endelmann
Samraev Jürgen Hollermann
Treplev Oliver Huhn
Zimmermädchen Anja Mindermann
Nina Andrea Mrosla
Jakov Oliver Rahe
Sorin Tomas Rau
Dorn Peter Stütz
Medvedenko Marco Wöhning
Regie Oliver Huhn
Assistenz Adelarisa Kedenburg
Kostüme Susanne Harms
Bühnenbau Judith Poppe, Sven Rache, Andreas Richter, Tim Sorgalla
Beleuchtung Markus Lahmann
Fotografie Tobia Pankrath
Öffentlichkeitsarbeit Andreas Wick
Dokumentation Frank Kruse

Aufführungstermine

  • Fr. 06.06.1997 20 Uhr im Theatersaal SZ Walle, Lange Reihe 81 (Premiere)
  • Sa. 07.06.1997 20 Uhr im Theatersaal SZ Walle, Lange Reihe 81
  • So. 22.06.1997 19 Uhr im Haus im Park (Zentralkrankenhaus Ost in Bremen)
  • Fr. 27.06.1997 20 Uhr im Theatersaal Cato Bontjes van Beek Gymnasium, Bergstr. 26, Achim
  • Fr. 11.07.1997 20 Uhr im Theatersaal SZ Walle, Lange Reihe 81
  • Sa. 12.07.1997 20 Uhr im Theatersaal SZ Walle, Lange Reihe 81
  • Di. 15.07.1997 20 Uhr im Theatersaal SZ Walle, Lange Reihe 81

Aktualität

Die Möwe Komödie in vier Akten von Anton Cechov russische Romanze

So lebte ein wundervolles Mädchen wie eine entzückende Möwe ruhig an einem stillen See. Aber in ihre Seele kam ein Fremder, Unbekannter, sie gab ihm ihr Herz und ihr Leben. Wie ein Jäger eine Möwe, scherzend und spielend, so zerstörte er das junge Herz für immer ... Ist das Stück noch heute aktuell?

„Die Möwe“ handelt vom Streben des einzelnen nach Glück und Erfolg, in der Gesellschaft als auch privat. Jedem der auftretenden Personen ist dieser Wunsch nach Anerkennung und Glück zu eigen. Aber in der Möwe führt das Unvermögen des einzelnen, sein Schicksal selbstbewußt agierend in die Hand zu nehmen, zu gesellschaftlicher und persönlicher Stagnation und Frustation und bei einigen sogar zur Katastrophe. Daher ist das Stück auch nach über 100 Jahren für jeden brandaktuell. Die einzelnen Handlungen

Sie sind unfähig, ihre Vorstellungen vom Leben, wie es sein soll, mit den Gegebenheiten der Realität in Einklang zu bringen. Ihre Idee vom „wahren“ Leben läßt sich mit dem wirklichen Leben nicht vereinbaren.

Kritik zur Inszenierung

Die Möwe Komödie in vier Akten von Anton Cechov Zeitlose Aktualität für die vermeintliche Ohnmacht

Bremer Amateur Theater Ensemble inszenierte Tschechow-Stück

Was kann es schöneres geben, als eine laue Sommernacht im Freien zu verbringen, sich faul an den Osterdeich zu begeben und Michael Jacksons Musik zu lauschen? Etwa hundert Zuschauerinnen und Zuschauer hatten anderes zu tun; sie wohnten nämlich der Premiere von Anton Tschechows „Möwe“ in der Inszenierung des BAT Ensembles bei.

Vielleicht eine etwas überraschende Parallele, daß im ersten Akt dieses Stückes, an einem ähnlichen Abend, ein symbolistisches Theaterstück des jungen Schriftstellers Treplev seine Uraufführung erlebt. Bei der ländlichen Boheme fällt dieses Stück - im Gegensatz zur "Möwe" insgesamt - allerdings durch; und das als Komödie untertitelte Tschechow-Drama nimmt seinen tragischen Lauf.

Die Figuren scheinen dabei allesamt zur Nicht-Handlung verdammt zu sein. Jeglicher Anflug von dramatischer Aktion oder Befreiungsversuch wird unterdrückt. Die Gratwanderung, daß bei der Darstellung von Untätigkeit auf der Bühne sich nicht auch beim Zuschauer Langeweile einstellt, ist dem Regisseur Oliver Huhn allerdings gelungen. Der Blick des Betrachters wird direkt auf die fatale szenische Situation gelenkt, die sich in ähnlicher Form auch im Rußland der heutigen Zeit abspielen könnte. Der Inszenierung wird dadurch eine zeitlose Aktualität verliehen: wohin eine vermeintliche Ohnmacht zum Handeln führen kann...

"Ich besaß die Niedertracht, heute diese Möwe zu töten. Schon bald werde ich mich auf dieselbe Weise töten“, verkündet der Schriftsteller Treplev bereits im zweiten Akt, und nimmt damit dem Ende des Stückes jegliche Spannung und Aussicht auf Hoffnung. Eine überdimensionale abstürzende weiße Möwe schwebt über dem spärlichen Bühnenbild und symbolisiert das Sujet dieses Stückes in bezug auf die Rolle der Nina, dargestellt von Andrea Mrosla, die im vierten Akt immer wieder beteuert: "Ich bin die Möwe", die ihre Jugend an einem See verbracht hat, deren Herz von einem Mann aus lauter Langeweile gebrochen und der jegliche Hoffnung genommen wurde.

Tschechows Drama ist sicherlich nicht so populär wie Michael Jackson, aber vielleicht könnte ein jeder seine Lehren aus dem Stück ziehen. Bleibt nur zu hoffen, daß das Wetter etwas schlechter wird und dem BAT-Ensemble an den weiteren Aufführungen reichlich Publikum beschert wird.

(aus: "Weser Kurier" vom 26.06.1997)

 

Wer "Die Möwe" vom Bremer Amateur Theater schon immer sehen wollte, es aber noch nicht geschafft hat, muß sich sputen. Es gibt nur noch wenige Vorstellungen.

(aus: "Weser Kurier" vom 11.07.1997)

 

Die letzten Vorstellungen vom BAT-Ensemble in Walle

Den Dramen Cechovs - und besonders der "Möwe" - wird häufig vorgeworfen, es passiere nichts. Ganz anderer Meinung waren offensichtlich die vielen Zuschauer, die die Möwe in der Inszenierung des BAT-Ensembles (Regie: Oliver Huhn) bisher gesehen haben.

Teils betroffen, teils ablehnend oder erschrocken verfolgten sie, wie die Personen im Stück durch „"nichts tun können" beziehungsweise durch das eigentliche "nicht! tun wollen" an der Realität scheitern und ohne große Gegenwehr untergehen.

Alle Personen im Stück nehmen ihre Umwelt so hin, wie sie sie vorfinden beziehungsweise glauben vorzufinden. Entweder sind sie mit ihrer Lebenssituation so zufrieden, wie sie ist und wollen sie um jeden Preis und rücksichtslos so belassen, oder sie wollen und können sich nicht zu einer Veränderung entschließen. Allenfalls lassen sie Veränderungen oder Neuerungen von außen über sich ergehen; ansonsten erstarren sie in Stagnation und Frustration, begehen eher Nichtentscheidungen als Fehlentscheidungen.

Bis hin zum Schluß, wo ein jäher Schuß alle - die Charaktere auf der Bühne und der fassungslosen Zuschauer - aus der Lethargie reißt. Nur daß der Protagonist, der sich da gerade selbst getötet hat, wiederum eigentlich nicht handelt, sondern der schmerzlichen Erkenntnis, daß sein Leben bisher ein Irrtum war und einer Veränderung oder Erneuerung seines Lebens mit dem Tod ausweicht. Wer hier vor Schreck auffährt, sollte sich besonders erschreckend eindringlich gewarnt fühlen.

(aus: „Bremer Anzeiger“ 12.07.1997)