Ubu Rex
von Alfred Jarry

Inhaltsangabe
Vater Ubu [Übü], ein marionettenhaftes, fettes Monster, wird von seiner Ehefrau, der "Giftkröte" Mutter Ubu, mit der er ständig im Streit liegt, zum Mord an König Wenzeslas aufgehetzt. Sie lockt den gefräßigen, machthungrigen und geldgierigen Vater Ubu mit der Verheißung: " Du könntest dich unendlich bereichern, ununterbrochen Leberwurst essen und in voller Pracht durch die Strassen fahren."
Ubu kann der Versuchung nicht widerstehen und gewinnt Hauptmann Tatzensaum als Verbündeten. Der ängstliche und feige Vater Ubu tritt dem König während der Parade auf den Fuß, was für Tatzensaum und seine Leute das Zeichen ist, auf den König loszuschlagen.Ubu ergattert im allgemeinen Tumult die Krone, während Tazensaum den König "wie eine Wurst" zerschneidet. Der junge Sohn des Königs, Bubelas, und seine Mutter, die Königin Rosmunde, fliehen in die Berge. Die Königin stirbt vor Gram, Bubelas sinnt auf Rache.
Ubu, nun König des imaginären Landes, denkt in kleinbürgerlicher Habsucht nur daran, wie er sich bereichern kann, während Mutter Ubu Bubelas fürchtet, "denn er hat das gute Recht auf seiner Seite".
Entsprechend der monströsen Amoral und Primitivität seines geschrumpften Gehirns gibt Ubu zur Antwort: "Ist das schlechte Recht nicht ebensoviel wert wie das gute? Du beleidigst mich, Mutter Ubu. Ich werde Hackfleisch aus dir machen!" - Als erste Amtshandlung vernichtet Ubu alle Adligen, um sich ihren Reichtum anzueignen. Die sich weigernden Gerichtsherren stopft er durch die Falltür in das Loch, in welchem sie dem Zwackschwein und der Enthirnungsmaschine zum Opfer fallen. Ebenso geht es den Finanzverwaltern.
Ubu, der nun selbst die Steuern eintreibt, hat sich dafür ein feines System zurechtgelegt: Die Steuern müssen doppelt, zum Teil auch dreifach bezahlt werden. Er erklärt den Bürgern: "Mit diesem System habe ich schnell ein Vermögen beisammen, dann bringe ich alle Welt um und ziehe von dannen.." - Schließlich aber kommt Bubelas mit seinem Gefolge, und nach einem wilden Gemetzel gelingt Vater und Mutter Ubu die Flucht über das Meer. Sie kehren in die Heimat zurück und Vater Ubu beschließt, sich zum Meister der Phynanz zu ernennen.
Das Stück überträgt Form und Ästhetik des Puppenspiels auf die Bühne. Als "Kasperltheater", das "die makabre Komik eines englischen Clowns oder die eines Totentanzes" besitzt, parodiert es das klassische Theater und vor allem sämtliche Königsmörder-Dramen, z.B. Shakespeares Macbeth und Richard III..
Das moderne Theater des 20. Jh.s greift die von Jarry angewandten szenischen Mittel auf: die Dominanz der optischen Elemente gegenüber Wort und Dialog, die Überzeichnung durch Maskierung und reduzierte Dekoration, die Verflachung und groteske Verzerrung der Figuren durch den Verzicht auf ihre menschlich-moralische Dimension, Sprachexperimente. Jarrys Forderung, "den Körper zur Rolle machen" und "Unpersönlichkeit" zu sein, bildet einen der Ausgangspunkte von A. Artauds Theatertheorie. Aber auch die bewußt gewissenlose Banalität des Bösen, die Ubu verkörpert, weist auf das 20. Jh. voraus. Jarry selbst sah Ubu als "abscheuliches Geschöpf, das uns allen in den niedrigsten Tiefen gleicht".
A. Artaud stimmt ihm fast ein halbes Jahrhundert später zu: "Obwohl er uns zum Lachen brachte, erinnerte er uns brutal an das, was wir gerne vergessen hätten".
(aus Knaur's Großer Schauspielführer)
Besetzung
| Vatter Ubu | Oliver Huhn |
| Mutter Ubu | Saskia Löbner |
| Hauptmann Tatzensaum | Thomas Bähr |
| König Wenzeslas | Peter Stütz |
| Rosmunde | Saskia Löbner |
| Bubelas (ihr Sohn) | Peter Stütz |
| Kaiser Alexis | Peter Stütz |
| Zinne, (Pfahlgeister) | Katrin Erlingsen |
| Keil, (Pfahlgeister) | Nicole Friedrich |
| Sparren (Pfahlgeister) | Angelina Grunst |
| Katharina Leczinski | Katja Ahrens |
| Michel Federovitsch | Katja Ahrens |
| Adliger | Katja Ahrens |
| Gerichtsherr | Katja Ahrens |
| Finanzherr | Katja Ahrens |
| Die kaiserliche Armee | Katja Ahrens |
| Die Krankenschwester | Susanne Harms |
| Die Armee der Ubuisten | Pfahlgeister |
| Der Bär | Peter Stütz |
| Der Kapitän | Thomas Bähr |
| Regie | Rolf Weber, Andreas Wick |
| Souffleuse | Armgard Hoffmann |
| Maske | Regina Rahlf |
| Bühnenbau | Thomas Bähr, u.a. |
| Szenenbilder | Andreas Wick |
| Musik | Martin Kirchner |
| Projektion/Licht/Ton | Stefanie Pokroppa |
Aufführungen
- Sa. 06.04.2002 20 Uhr Theatersaal Wilhadi-Gemeinde, Steffensweg 89 (Premiere)
- Di. 09.04.2002 20 Uhr Theatersaal der Zionsgemeinde, Kornstr. 31
- Mi. 10.04.2002 20 Uhr Theatersaal der Zionsgemeinde, Kornstr. 31
- Fr. 19.04.2002 20 Uhr Kulturzentrum Westend, Waller Heerstr. 294
- Sa. 20.04.2002 20 Uhr Kulturzentrum Westend, Waller Heerstr. 294
- Fr. 26.04.2002 20 Uhr Cato-Bontjes-van-Beek Gymnasium Achim, Bergstr. 26
- Fr. 03.05.2002 20 Uhr Kulturbahnhof Vegesack, Hermann-Fortmann-Str. 32
- Sa. 04.05.2002 20 Uhr Kulturbahnhof Vegesack, Hermann-Fortmann-Str. 32
Kurzbeschreibung
Vatter Ubu, schwachsinnig aber gefräßig, gierig nach jeder Menge Gold und Knackwurst, lässt sich von seiner Gattin zum Königsmord anstiften. Mit Unterstützung einiger dahergelaufener Haudegen gelingt der Plan, und König Ubu beginnt sich schamlos zu bereichern. Dabei hinterlässt er eine Spur der Verwüstung, Ruinen und Leichen pflastern seinen Weg. Inmitten dieser innenpolitischen Krise lässt er auch noch seinen engsten Mitverschwörer fallen, der zum Feind überläuft. Da gibt es nur noch einen Ausweg, und Ubu lässt sich zum Kriegführen überreden.
Die große Schlacht entwickelt sich zum totalen Desaster; nur mit knapper Not und vollen Hosen entkommt Ubu seinen Verfolgern, die sich überall gegen ihn zusammenschliessen. Doch einen Ubu bringt so leicht nichts um, und nachdem er auch noch den Kampf mit einem Bären überlebt, segelt er mit seinen letzten Getreuen davon und neuen Abenteuern entgegen.
Presse-Info
Wahnsinniger, gefrässiger Königsmörder entlaufen!
BAT Ensemble inszeniert UBU
Wer sehnt sich nicht nach Gold und Macht, und so beginnt die garstige Mutter Ubu (Saskia Löbner) ihren "Wurstel" zu überreden den König (Peter Stütz) umzubringen und seinen Platz einzunehmen. Von dieser Idee läßt sich der verfressene Vatter Ubu (Oliver Huhn) schnell begeistern, und so beginnt eine absurde Machtergreifung mit allerlei Folgen. Das mag sich zwar sehr nach "Macbeth" anhören, ist aber einige hundert Jahre später von Alfred Jarry geschrieben worden. Der kreuzte die Figur des Macbeth mit einer Karikatur seines Physiklehrers und entwickelte so den Charakter des Ubu, und damit einen höchst sonderbaren Bösewicht. Eigentlich als Marionettentheater konzipiert, gelangte der "Ubu" 1896 zur Uraufführung, und löste schon mit dem ersten Wort einen Skandal aus: "Merdre!"
Kompromisslos setzt Ubu seine Machtergreifung in die Tat um. Obwohl als Anführer unfähig, motiviert Ubus Leben nach dem Lustprinzip, ohne Moral oder Gewissensbisse, doch seine drei Mitstreiter die wagemutigen Pfahlgeister und ihren Anführer Tatzensaum (Thomas Bähr). So wird der Weg zur Krone mit Leichen gepflastert; gewissenlos aber doch erschreckend komisch und bitterböse. Nach vollkommen absurden eigenen Regeln übt Ubu die frisch gewonnene Macht aus, und führt das ganze Land ins Chaos. Dabei wahrt er stets die Rolle der charismatischen Unpersönlichkeit, was vielleicht einige Parallelen zur aktuellen Politik erahnen lässt; und doch steckt ein wenig "Ubu" in jedem von uns.
Das Bremer Amateur Theater Ensemble e.V. hat sich dieses in Frankreich sehr populären Dramas angenommen, und präsentiert in der Inszenierung von Rolf Weber und Andreas Wick ein groteskes, aktionsgeladenes Bühnenspektakel mit allerhand Tempo und vielen Überraschungen.
Probenfotos

Nach dem Königsmord wirft Ubu Gold in die Menge, um seine Macht zu festigen. (2.Akt, Szene7)

Der Königsohn Bubelas will Ubu niedermachen, die Pfahlgeister eilen Ubu zu Hilfe. (5.Akt, Szene 2)

Ubu versucht Mutter Ubu das Rückenmark via Ferse zu entfernen, nachdem er erfahren hat, dass sie ihn bestohlen hat. (5. Akt, Szene 1)

Nachdem der König niedergemetzelt wurde greift sich Ubu die Krone und wird zum Herrscher der Nation. (2.Akt, Szene 2)